Das √úberstimulationssyndrom

Das √úberstimulationssyndrom (OHSS=Ovarian Hyperstimulation Syndrom, nebenstehende Abb. zeigt ein typisches Ultraschall-Bild des Eierstocks bei OHSS) kann durch die Hormontherapie zur Stimulation der Eierst√∂cke hervorgerufen werden - und entspricht somit einer "Nebenwirkung" dieser notwendigen Behandlung. Eine geringe √úberstimulation der Eierst√∂cke ist jedoch im Rahmen der Stimulation erw√ľnscht und hat keine wesentliche Bedeutung.

Die Häufigkeit eines schweren Überstimulationssyndroms liegt unter 1%.

Folgende Faktoren beg√ľnstigen die Entstehung eines OHSS:

  • bestehendes polyzystisches Ovarsyndrom
  • erh√∂hte Androgenspiegel
  • relativ junge Frauen
  • untergewichtige Frauen
  • hohe Oestradiolspiegel vor hCG-Spritze
  • Follikelzahl √ľber 20-25
  • Stimulation mit dem sogenannten "long-Protokoll"
  • hCG-Gabe zur Unterst√ľtzung der Gelbk√∂rperphase

 

Der typische Zeitpunkt des Auftretens ist nach der Ovulation bzw. Punktion. Die Auspr√§gung des OHSS kann von einer leichten St√∂rung des Wohlbefindens bis hin zu einem ernsten Krankheitsbild reichen - letzteres wie gesagt sehr selten.

Die Stimulation der Eierst√∂cke geschieht immer unter sorgf√§ltiger Kontrolle der Reaktion auf die Hormone, trotzdem gelingt es nicht immer, ein √úberstimulationssyndrom zu vermeiden, denn genau sind die Zusammenh√§nge bei der Entstehung eines √úberstimulationssyndroms noch nicht gekl√§rt. Es ist daher auch keine ursachenbezogene Therapie m√∂glich.

Man vermutet, dass durch den √ľberstimulierten Eierstock gef√§√üaktive Substanzen in die Blutbahn gelangen und die Durchl√§ssigkeit der W√§nde der Blutgef√§√üe erh√∂ht wird. Dadurch treten vermehrt Fl√ľssigkeit und Eiwei√ü aus den Blutgef√§√üen in Bauchraum und Gewebe ein und f√ľhren dort zu Wasseransammlungen.

Diese Symptomatik kann anhand bestimmter Faktoren in der Vorgeschichte der betroffenen Frauen und der Reaktion der Eierst√∂cke unter der Stimulation vorhergesehen werden, somit besteht die M√∂glichkeit, fr√ľhzeitig geeignete Gegenma√ünahmen zu ergreifen.

Stadieneinteilung des OHSS
(nach Golan, 1989):

Grad.. Symptome Ovargröße
1 Spannungsgef√ľhl im Unterbauch und Unwohlsein 5-10 cm
2 wie Grad 1 + √úbelkeit, Erbrechen, Durchfall 5-10 cm
3 wie Grad 2 + Aszites (Wasseransammlung im Bauchraum) √ľber 10 cm, jedoch Aszites entscheidend
4 wie Grad 3 + Luftnot, Atembeschwerden √ľber 12 cm
5 wie Grad 4 + Zeichen der Bluteindickung √ľber 12 cm

Andere Risken

  • Am weitaus H√§ufigsten ist sicherlich das "Risiko" von Mehrlingsschwangerschaften, welche bereits bei vergleichsweise harmlosen Therapien wie z. B. Clomifengaben oder niedrig dosierten Gonadotropinterapien auftreten k√∂nnen. Nota bene: f√ľr viele Kinderwunschpaare ist dies kein Risiko, sondern sie w√ľrden Zwillinge bzw. Mehrlinge sogar begr√ľ√üen. Anderenfalls ist die Vermeidung dieses Risikos nat√ľrlich ein Ziel der Kinderwunsch-Behandlung.
  • Durch die Eizellentnahme kann es in seltenen F√§llen zu Verletzungen von Gef√§√üen kommen, auch der Darm und Nerven sind zumindest potentiell gef√§hrdet. Da die Punktion unter Ultraschallkontrolle erfolgt, sind solche Komplikationen jedoch √§u√üerst selten.
  • Obwohl die R√ľckgabe der Embryonen direkt in die Geb√§rmutter erfolgt, ist die Zahl von Eileiterschwangerschaften im Gegensatz zu nat√ľrlich eingetretenen Schwangerschaften deutlich erh√∂ht und betr√§gt bis zu 5 %.
  • Die Zahl der Zwillings- und ev. Drillingsschwangerschaften ist naturgem√§√ü ebenfalls erh√∂ht und betr√§gt zwischen 3 und 4%. Besonders h√§ufig treten sie bei jungen Frauen auf, weshalb man in vielen Zentren dazu √ľbergegangen ist, bei Frauen unter 35 Jahren nur 2 Embryonen zu transferieren.
  • Die hormonelle Stimulation der Eierst√∂cke hat neben dem OHSS potentielle weitere Risiken, wobei die Gefahr der Krebsentstehung durch die Hormongabe √ľbersch√§tzt wird.
  • Recht neu sind noch nicht best√§tigte Verdachtsmomente, die sich hinsichtlich des ‚Äúgenetic imprinting‚ÄĚ ergeben. Man vermutet hier, dass die Steuerung der Gene bei den ersten Teilungen des Embryos beeintr√§chtigt sein k√∂nnte.